Reisen 1979 bis 1998

Leondings Notre-Dame-Debüt

Haydns Harmoniemesse erklang in der prachtvollen Kirche Notre Dame

Haydns Harmoniemesse erklang in der prachtvollen Kirche Notre Dame

Die erste Chorreise ins nicht deutschsprachige Ausland fand 1979 statt. Die französische Hauptstadt Paris war das Ziel. Die noch junge Chorgemeinschaft holte sich Verstärkung vom Kirchenchor Leonding, Orchestermusiker aus dem Musikgymnasium sowie dem Brucknerkonservatorium, um die Harmoniemesse von Joseph Haydn anlässlich seines 170. Todesjahres aufzuführen. Der Chronist berichtet von den vielen Proben, die notwendig waren, um am 29. 4. 1979 als Höhepunkt der Reise in der Kirche Notre Dame vor 1 000 Zuhörern zu musizieren. Die Linzer Rundschau meldet dazu am 10. 5. 1979: „... erreichte man eine Tiefe gläubigen Ausdrucks, die den Zuhörern fühlbar unter die Haut ging und allgemeine Ergriffenheit hervorrief.“

Ein Empfang durch den Dompfarrer und den österreichischen Botschafter war die Belohnung für die mühevollen Probearbeiten. Die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Seine-Stadt rundete die musikalisch und gesellschaftlich hervorragende Reise ab. „Ihr müsst wiederkommen“, sagten die Franzosen zum Abschied. Dies geschah auch ein paar Jahre später, allerdings besuchte man dieses Mal nicht Paris, sondern Südfrankreich.

Sängerausflug nach Regensburg

Einer Einladung des MGV Regensburg-Reinhausen zu deren 95-jährigem Bestandsjubiläum folgend, besuchte die Chorgemeinschaft am 23. und 24. Mai 1981 die Domstadt und verband diesen Aufenthalt gleichzeitig mit einem Gemeinschaftskonzert mit dem dort ansässigen Chor. Das Programm mit Madrigalen und Volksliedern wurde vom fachkundigen Publikum freudig angenommen. Trotz Schlechtwetters war es ein rundum gelungener Sängerausflug.

Die Chorgemeinschaft konzertiert in Regensburg

Die Chorgemeinschaft konzertiert in Regensburg

Die Chorgemeinschaft in der Ewigen Stadt

Bei der Reise in die Ewige Stadt Rom vom 27. April bis 1. Mai 1990 hatte die Chorgemeinschaft nicht nur das Vergnügen, die Weltstadt zu erkunden, sondern auch das sonntägliche Hochamt in der Basilika Santa Maria Maggiore, zelebriert von Bischof Dr. Alois Wagner, mit der Waisenhausmesse von Wolfgang Amadeus Mozart zu verschönern. Diese Chorreise war ein Erlebnis, das vielen noch ewig in Erinnerung bleibt: die wunderschönen Bauten, das antike Rom, das traumhafte Wetter und die an Enthusiasmus nicht zu überbietenden Italiener.

Selbst bei der Einsingprobe im Hotel wurden die Chormitglieder von der unglaublichen Begeisterung der Italiener überrascht. Es waren nur Stimmübungen, die man zum Besten gab, trotzdem stoppten die Angestellten jegliche Arbeit, die Lärm verursachte, ersuchten alle, sich ruhig zu verhalten, und applaudierten euphorisch nach jeder Darbietung.

Mit so viel Selbstvertrauen gestärkt, wurde die Messe in der Kirche Santa Maria Maggiore ein großer Erfolg. Der Applaus und die Bravo-Rufe klangen allen auch beim anschließenden Feiern, dem vergnüglichen Teil, noch angenehm in den Ohren.

So kehrte man am 24. Mai wieder mit dem Zug nach Hause zurück und war im Probeneifer bestärkt von dem gesellschaftlichen und musikalischen Höhepunkt dieser einzigartigen Reise.

Die Musiker vor der Basilika Santa Maria Maggiore, in der Mitte Bischof Wagner

Anton Bruckners d-Moll-Messe nach Prag zu bringen, stand auf dem Reiseprogramm vom 24. bis 26. Oktober 1992. Rückblickend kann man behaupten, es ist gelungen, in Prag Begeisterung für diese Musik zu erwecken.

Uwe Christian Harrer führte auch bei beengten Platzverhältnissen in der St.-Jakob-Kirche umsichtig und streng Regie. Nur bei der Probe zum Hochamt, beim Crucifixus, brachte ihn ein kurz davor erzählter Witz derart zum Lachen, dass er die Probe unterbrechen musste. Vor der Messe gab es deshalb zur Sicherheit ein Witzverbot. Die Witze wurden aber dann bei der anschließenden ausgiebigen Bierlokal-Tour erzählt. So war diese Reise nicht nur ein musikalischer und historischer Höhepunkt, sondern auch ein humoristischer. Offensichtlich waren die Witze so gut wie das Bier, denn der Reiseleiter fand den Weg nicht mehr zurück zum Hotel. Bei der Rückreise wurde die Stadt Budweis besucht, und nach einem original Budweiser Bier kamen alle wohlbehalten wieder in Leonding an.

Der Chor auf der prunkvollen Empore der St.-Jakob-Kirche in Prag

Der Chor auf der prunkvollen Empore der St.-Jakob-Kirche in Prag

Bruckner d-Moll-Messe mit Uwe Christian Harrer

Bruckner d-Moll-Messe mit Uwe Christian Harrer

Saint-Maximin ist vor allem durch die Basilika Sainte-Marie-Madeleine bekannt, welche als größte in der Provence gilt. Zu zwei Konzerten war die Chorgemeinschaft zusammen mit dem kürzlich aus der Taufe gehobenen Symphonie Orchester Leonding eingeladen worden.

Am 18. August machten sich fast 100 Musizierende auf den Weg, und nach einer Übernachtung in Piacenza erreichte man am 19. August Südfrankreich. Auf Grund der vielen Teilnehmer wurde mit zwei Bussen gefahren, einem Chorbus und einem Orchesterbus. Im Chorbus führte Obmann Alois Kreinecker sorgfältig Regie – mit vielen Erklärungen zu Landschaft und Sehenswürdigkeiten. Im Orchesterbus hingegen war Wolfgang Furtmüller für den Ablauf zuständig – und da gab es Würfelspiele, Witze und bei den Zwischenstationen Volleyball zur Unterhaltung.

Musikalisch war die Reise natürlich ein Höhepunkt, Bruckner nach Frankreich zu bringen, was für ein Wagnis! Dieses Gefühl war nach dem Te Deum deutlich zu spüren. Der letzte Ton im Fortissimo, mit allem, was Orchester und Chor zu geben vermochten, war verklungen und – kein Applaus.

Nichts, Totenstille, Sekunden wurden da zu Minuten und nichts, keine Regung des Publikums war zu erkennen. Als alle dachten, das war ein Reinfall, sprang das Publikum plötzlich auf, applaudierte, rief bravo, bravissimo. Die Kirche tobte.

„Wir waren von der Musik und der Darbietung so gebannt und gefesselt, wir konnten uns nicht bewegen“,
war die Antwort der Zuhörer.

Leichter fiel es dem französischen Publikum bei der Schöpfung von Joseph Haydn und der Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart, der Musik ihren Beifall zu spenden: Diese Werke sind auch in Frankreich wohlbekannt.

Nach dem zweiten Konzert luden der Bürgermeister und das Kulturkomitee der Stadt zu einem Grand Diner in dem mehr als 700-jährigen Kreuzgang der Basilika ein. Bis lange in die Nacht hinein wurde gefeiert, oberösterreichische und Kärntner Lieder wurden gesungen und mancher musste noch die herrliche Nacht genießen und in einer Weinschenke weiterfeiern.

Über Lyon und Einsiedeln in der Schweiz ging es wieder heimwärts, und einige träumten im Bus noch vom Rotwein und dem französischen Essen.

    • Basilika Sainte-Marie-Madeleine in St. Maximin/Provence

    • Die Solisten bei Anton Bruckners Te Deum, v. l. n. r.: Doris Ennser, Donna Ellen, Robert Holzer und Helmut Wildhaber, am Pult Uwe Christian Harrer

    • St. Maximin: Konzert in der Basilika Sainte-Marie-Madeleine

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